Dr. Max Picard

Von Max, dem ältesten Sohn der Picards, sind in Konstanz keine Meldeunterlagen vorhanden. Es ist möglich, dass er in Wangen geboren wurde. Nur sein Grab befindet sich in Konstanz . Auf der von einer Nadelholzhecke umgebenen Grabstelle befindet sich gegenüber des Steins eine ebenfalls steinerne Sitzbank. Die Rückenlehne ziert ein bronzenes Portrait von Max Picard.

Der 1885 geborene Sohn Salomon Picards fiel als erster deutscher Offizier bei Mühlhausen im Elsass (Moore-Moos). Am Montag, 28. September 1914, meldete die "Konstanzer Zeitung" sehr ausführlich:

"Beerdigung. Unter zahlreicher Beteiligung wurde gestern vormittag die sterbliche Hülle des den Heldentod fürs Vaterland gestorbenen Rechtspraktikanten Vizewachtmeister Dr. jur. Max Picard der Erde übergeben. Eine Ehrenkompagnie und die Regimentskapelle gaben dem gefallenen Kameraden das letzte Geleite. Unter unsäglichen Mühen, führte der Rabbiner aus, wurde der Leichnam des Gefallenen in die Heimat befördert, damit er in geweihter Heimaterde den ewigen Schlaf tue. In bewegten Worten zeichnete er dann ein lebenswarmes Bild des für sein heißgeliebtes Vaterland Gefallenen und rühmte seinen festen Charakter; eine Persönlichkeit sei mit ihm dahingegangen, die noch lange schmerzlich vermisst werde. Aber eines wisse alle zu trösten, das Opfer sei nicht umsonst gebracht. Sie alle, die jetzt in dieser schweren Schicksalszeit für Deutschlands Größe und Deutschlands Ehre diese schweren Opfer bringen, könnten hoffentlich die schöne Zeit erleben, die dem vielgeliebten deutschen Vaterlande einen ehrenvollen Frieden bringen werde. Ein Gebet schloß die ergreifende Ansprache. Drei Salven krachen dem toten Krieger den letzten Kameradengruß übers Grab hinaus. Dumpf hallen die Schollen auf seine letzte Ruhestätte. Er ruhe in Frieden!"

Dr. Max Picard war Leutnant der Reserve im Badischen Dragoner Regiment. Die Todesanzeige, die am Samstag vor der Beerdigung erschien, zeugt davon, dass die Brüder ebenfalls eingezogen sind: Hinter den Namen Dr. med. Ernst Picard und Dr. med. Hugo Picard steht jeweils "z. Zt. im Felde". Zu meiner Erleichterung fehlen sie auf der Liste der jüdischen Konstanzer, die sich freiwillig gemeldet haben (Bloch, 91).

81 Zeitungszeilen umfasst ein umfangreicher Nachruf für Dr. Max Picard, den "lieben Freund und wackeren Kampfgenossen", der am 2. Oktober 1914 in der Konstanzer Zeitung erschien:

"Eine durch und durch harmonische Natur verband er klugen Sinn und Energie mit einem ungewöhnlich warmherzigen, reichen Gemüt, von dem seine zärtliche Kindesliebe das schönste Zeugnis gab. Im Grunde hatte er eine Künstlerseele von starkem musikalischen Empfinden. Kaum etwas dürfte dafür so bezeichnend sein, wie der Umstand, dass er selbst die wenigen freien Stunden, die der Felddienst ihm vergönnte, dazu nutzte, um nach den Gefahren und Wagnissen des Kriegshandwerks sich und seine Offiziere mit Beethovenscher Musik zu erquicken!"

Weiter übte man sich in den Textbausteinen, die in den kommenden Jahre noch häufig angewendet werden mussten:"Soldatische Tüchtigkeit", "Heldentod" und "unerschütterliche Pflichterfüllung".

Die Eltern wird das nicht getröstet haben. Ihr ältester Sohn wurde 29 Jahre alt. 1910 hatte er noch seine Dissertation in Heidelberg abgeliefert: Die strafrechtliche Behandlung der Trunkenheit und Trunksucht im Vorentwurf zu einem deutschen Strafgesetzbuch. Das meldet HEIDI der Katalog für die Bibliotheken der Universität Heidelberg. Der Band 33 der Kleinen Schriften zum Besond. Teil des Strafgesetzbuchs darf nur in der Bibliothek der juristischen Fakultät eingesehen werden.

Ein Foto existiert von Max Picard. Man findet es auf der Seite 125 des Bandes von Klöckler und Fromm (2005). Das Bild zeigt die Unterprima des Großherzoglichen Gymnasiums in der Konzilstrasse im Jahr 1903. Die Schüler sind anläßlich der Konstanzer Fasnacht als Frauen verkleidet. Hinten links ist steht Max Picard in einem altjüngferlichen Kleid. Großen Spaß scheinen die Jungs an dieser Verkleidungsaktion nicht gehabt zu haben. Keiner lacht oder schmunzelt.